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Die Hanse Teil I. Die Kaufmannshanse
Die Hanse Teil I. Die Kaufmannshanse


Die Kogge Ubena
Hanse (althochdeutsch: Hansa = Gruppe, Gefolge, Schar) – auch Deutsche Hanse oder dudesche Hanse, lat.: Hansa Teutonica – werden die Zusammenschlüsse niederdeutscher Kaufleute von Mitte des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 17. Jahrhunderts genannt. Das Ziel dieser Verbünde war die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen im In- und Ausland und die Sicherheit der Seewege.
Zunächst handelte es sich um einen Zusammenschluss von Kaufleuten, der sogenannten „Kaufmannshanse“, die sich etwa um 1150 entwickelte. Erst etwa 1350 entwickelte sich daraus mit den gesamthansischen Tagfahrten (Hansetagen) die „Städtehanse“. Der Übergang von der „Kaufmannshanse“ zur „Städtehanse“ lässt sich nicht als fester Zeitpunkt fixieren, er vollzog sich fließend.
Die Hanse war nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und kulturell ein gewichtiger Faktor. Lange Zeit war sie eine politische Macht ersten Ranges, der es ohne eigene Souveränität – die Mitglieder blieben unter der Herrschaft der jeweils zuständigen weltlichen und kirchlichen Gewalten – gelang, siegreiche Kriege zu führen und eigenständig, allein den eigenen Gesetzen, Zielen und wirtschaftlichen Interessen folgend, zu handeln.
Ein bestimmtes Gründungsjahr der Deutschen Hanse gibt es nicht. Sie entwickelte sich vielmehr im 12. Jahrhundert aus den Gemeinschaften der Ost- und Nordseehändler.
Diese frühe Hanse war zunächst ein freier Zusammenschluss von Kaufleuten, die den Schutz für ihre meist gefahrvollen Reisen suchten und ihre Interessen an den Zielorten gemeinsam vertreten wollten. Dazu fanden sich die Kaufleute einer Stadt oder einer Region zusammen. Der früheste urkundliche Nachweis für solche organisierten deutschen Handelsgruppen liegen durch das Auftreten Kölner Kaufleute in London vor, wo sie als Gemeinschaft im Jahre 1157 ein Grundstück zur Errichtung des „Stalhofes“ erwarben.
Allerdings wird die Gründung der Stadt Lübeck im Jahr 1143 für die Entwicklung der Hanse als entscheidend und als „Gründungsjahr“ angesehen, da durch den Ostseezugang der Handel zwischen den rohstoffreichen Gebieten Nordrusslands (z. B. Getreide, Holz) und den westeuropäischen Ländern mit ihren Fertigprodukten (z. B. Tuche) ausgeweitet wurde.
Die so geschaffene Verbindung von Land und Seeverkehr in einer Organisation war der entscheidende Schritt, der der Hanse schließlich die Vorherrschaft in Handel und Transport auf Nord- und Ostsee brachte. Neue Verkehrswege auf dem Wasser wurden allerdings von der Hanse nicht erschlossen, es wurden die von Friesen, Sachsen, Engländern und Skandinaviern erschlossenen Verkehrswege übernommen.
Die bisherigen Handelspartner und Schiffer wurden oft verdrängt, was zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen deutschen und gotländischen Händlern in Visby (Gotland war bis dahin das Zentrum des Ostseehandels) führte, die durch den „gotländischen Frieden“ im Jahre 1160 beendet wurden.
Die Verdrängung wurde jedoch unter dem Anschein fairer Verträge unter gleichberechtigten Partnern fortgesetzt. Das sogenannte Artlenburger Privileg von Heinrich dem Löwen an die Gotländer im Jahre 1161 zeigt dieses Vorgehen. Als die Gotländer sich weigerten, die Kaufleute aus Lübeck als Handelspartner zu akzeptieren, vermittelte Heinrich und gestand den Gotländern in seinem Gebiet die gleichen Rechte zu, wie sie die Gotländer den Deutschen auf ihrer Insel einräumen sollten. Allerdings galt das nur für die Seewege und die Stadt Lübeck. Nun konnten die Kaufleute aus der gotländischen Hafenstadt Visby , die bis dahin den Zwischenhandel auf der Ostsee beherrschten, ihre Waren allenfalls bis Lübeck bringen - der direkte Weg weiter ins Binnenland blieb ihnen hingegen versperrt und die Waren wurden von Mitgliedern der Hanse weitertransportiert.
Die Carta MarinaEin weiterer Vorteil der Hanseschifffahrt war eine gewisse Rechtssicherheit gegenüber Konkurrenten, ein entwickeltes Seerecht, das Fragen der Befrachtung, der Bemannung, der Verhältnisse an Bord, des Verhaltens im Seenotfall usw. regelte. Die Rechtssicherheit für Hanseschiffe, vor allem im Ausland, war grundlegend für das reibungslose Funktionieren der Verkehrsorganisation. Auch Fragen der technischen Schiffssicherheit und der Seefähigkeit der Schiffe wurden sehr ernst genommen, ebenso wie der Schutz der Handelsschiffe vor Piraterie. Die Schiffe fuhren deshalb meist im Verband in Fahrtgemeinschaften von zwei und drei Schiffen, was jedoch nicht immer vor Kaperungen und Verlusten schützte.
Im Laufe der Zeit vergrößerte sich so der Wirkungskreis der Hanse beträchtlich und immer mehr Kaufleute aus den unterschiedlichsten Städten und Regionen schlossen sich der Genossenschaft an. Längst unterhielt man eigene Handelskontore in allen Ländern des Nord- und Ostseeraumes, mit Lübeck als hanseatische Hauptstadt. Man hatte ein eigenes Recht, umfangreiche Privilegien und in der damaligen Zeit eine immense wirtschaftliche Macht. Zudem war ein erhöhter Schutz vor der zunehmenden Piraterie nötig, was eine stärkere Bewaffnung der Schiffe erforderte. Diese Expansion und die strukturellen Veränderungen in Europa führten dann etwa 1250 zur Entwickelung der Städtehanse.


Bild:
Wikipedia
Text:
Wikipedia - die freie Enzyklopädie
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