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Die Schiffe der Wikinger
Wikingerschiffe
Wikingerschiffe gehörten zu den sogenannten Spitzgattbooten, d.h., das Heck und der Bug liefen gleichermaßen spitz zu und waren stark hochgeschwungen. Dadurch konnten die Schiffe in beiden Richtungen gefahren werden - beim Befahren von schmalen Gewässern ein großer Vorteil. Ein weiterer Vorteil war der flache Kiel, der es den Wikingern ermöglichte, auch in flachen Gewässern zu fahren, ihre Schiffe weit an Land zu bringen (anlanden) und so schnell angreifen zu können.

Als Baumaterial wurde meistens Eichenholz, nur in Ausnahmefällen auch Fichte, verwendet. Die Planken wurden mit der Axt direkt aus Bäumen geschlagen und in den Schiffrumpf eingepasst. Sie wurden in der sogenannten Klinker-Bauweise überlappend miteinander befestigt.

Das Besondere beim Bau des Rumpfes lag darin, dass von außen nach innen gebaut wurde, die Spanten wurden erst später eingezogen. Es wurde also zunächst nur der Kiel gelegt an dem dann die Planken befestigt wurden. Die komplette Außenhaut war selbsttragend. Spanten und Kiel waren nicht miteinander fest verbunden. Die Spanten hatten lediglich die Aufgabe, den Querschnitt des Schiffes stabil zu halten.
Bis zur Wasserlinie wurden die Planken mit aus Fichtenwurzeln gedrehten Tauen an den Spanten gebunden, oberhalb der Wasserlinie wurden sie mit Holz- oder geschmiedeten Eisennägeln vernietet. Durch diese besondere Bauweise waren die Schiffe extrem flexibel, da sich Kiel und Spanten unabhängig voneinander bewegen konnten. Kalfatert (abgedichtet) wurden die Schiffrümpfe mit geteerten Tierhaaren.

WikingerschiffeDer Mast wurde aus dem elastischerem Tannen- oder Föhrenholz hergestellt. Er wurde komplett geteert, was ihm den Namen „kolsvartir viðir“ (kohlschwarzer Mast) gab. Die Höhe richtete sich nach der Schiffsgröße, so waren der Mast eines 20-Ruderers ca. 60 und der eines 30-Ruderers ca. 80 Fuß hoch, das entspricht etwa 18 - 24 m nach heutigen Maßeinheiten.
Befestigt wurde der Mast in einem eigens auf dem Kiel angebrachten massiven Balken aus bestem Eichenholz, dem sogenannten Kielschwein (kerling), der bis zu 5 m lang, 1 m breit und ca. 0,5 m dick sein konnte. Der Mast war mittschiffs oder etwas hinter der Mitte des Schiffes, leicht nach Achtern geneigt, angebracht. Er wurde aber lediglich mit einem Holzkeil fixiert, so dass man ihn bei Bedarf leicht umlegen konnte. In aufgerichteter Stellung wurde er durch Wanten und Stage aus Hanf oder Walrosshaut gehalten. Es bestand aus dem Bugstag und den Haupttauen, je eines oder mehrere auf der Back- und Steuerbordseite. Hinzu kamen beim Am-Winde-Segeln noch ein oder zwei Hilfstaue auf der Luvseite („stöðingar“).

Als Segel wurde ausschließlich das Rahsegel verwendet. Die Rah (ein Rundholz aus Tannen- oder Föhrenholz) war ca. 20m breit, so dass sich eine etwa 130qm große Segelfläche ergab. Die Segel wurden aus Wolle („vadmál“) oder Leinen (“pavoloken”) hergestellt und waren stets doppelt gewebt. Die Segel wurden oft mit einer Mischung aus Ocker, Fett und Teer oder auch Pferdefett imprägniert. Zur Verstärkung wurde auf der Vorderseite ein Netz aus Tauwerk oder Stoffstreifen aufgenäht.
Diese Netze konnten einfach nur aus Längsstreifen (bei kleineren Segeln) oder Rechtecken bis hin zu sich kreuzenden Diagonalstreifen („með vendi“) bestehen. Die Segel wiesen unterschiedliche Farben auf, bei den Königsschiffen wurden sie zudem mit sehr aufwändigen Mustern verziert.

Die Wikingerschiffe wurden natürlich auch mit Rudern ausgestattet. Diese waren in der Regel aus Kiefernholz gefertigt, gehobelt und geteert und ca. 5,30 bis 5,85 m lang (in der Mitte des Schiffes kürzer, an den Enden länger). Bei den Langschiffen wurden die Ruder durch Ruderlöcher in einer der obersten Plankenreihen, die besonders verstärkt war, gesteckt. Diese Löcher hatten einen Durchmesser von ungefähr 12 cm und einen Schlitz, damit das breitere Ruderblatt hindurch gesteckt werden konnte und waren etwa 48 cm über der Wasserlinie. Innerbords befanden sich Ruderklappen, mit denen die Löcher verschlossen werden konnten. Wo nicht die Deckbalken als Rudersitze verwendet wurden, war für jedes Ruderpaar eine Ruderbank vorhanden. Auf den Langschiffen hatte jeder Ruderer wahrscheinlich eine eigene Ruderbank, so dass in der Mitte ein Gang frei blieb.

Das Steuerruder der Wikingerschiffe entsprach in seiner Form fast den zur Fortbewegung dienenden Rudern. Es unterschied sich lediglich in seiner Blattgröße und Materialstärke von den anderen Rudern. Das Steuer war an der rechten Seite am Heck des Schiffes befestigt, weshalb diese Seite „Steuerbord“ genannt wurde. Der Rudergast stand oder saß davor quer zur Schiffsachse mit dem Rücken zur linken Seite des Schiffes, dem „Backbord“. Diese Bezeichnungen sind bekanntlich auch heute noch gültig.

Die verschiedenen Schiffstypen der Wikinger kann man grob in folgende Klassen unterteilen:

Das Langschiff - das Flaggschiff der Wikinger.

Langschiffe (langskip) waren Kriegsschiffe (herskip) und wurden nach der Zahl der Rudersitze (sessa) oder der Räume (rúm) an einer Seite bezeichnet. Die Begriffe Dreki und Snekka (auch als "Snekkja" oder "Snekke" bezeichnet) unterscheiden die Langschiffe nach der Art ihres Stevenschmucks: Dreki hatte einen Drachenkopf, Snekka eine schneckenförmige Spirale. Das berühmte „Drachenboot“ war also ein Langschiff mit Drachenschmuck am Vordersteven, unterschied sich aber sonst in keiner Weise von den übrigen Langschiffen.
Die Länge der Kriegsschiffe betrug bis zu 48m, die Breite bis etwa 7,5m und hatten bei voller Beladung ca. 90cm Tiefgang. Die schlanken Schiffe waren sowohl unter Segel als auch beim Rudern extrem schnell - sie erreichten immerhin eine Spitzeneschwindigkeit von 15 - 20 Knoten.
Anfangs war der Zwanzigsitzer der häufigste Langschiffstyp. Er wurde aber schon bald von dem wesentlich schnelleren und leicht manövrierfähigen Typ mit 25 Sitzen (halfþritugt skip) abgelöst. Aber auch wesentlich größere Schiffe mit 30 (þritugsessa) oder 35 Sitzen (halffertugt skip) gebaut. Das ergab in der Summe 50, 60 bzw. 70 Ruderer - ein recht kräftiger Antrieb für diese Schiffe. Die Besatzung betrug bis zu 250 Mann, die sich beim Rudern abwechselten, so dass auch längere Strecken ohne Pause überwunden werden konnten.

Das große Drachenschiff des Königs Harald Hardråde war ein solcher Fünfunddreißigsitzer. Noch größere Schiffe waren selten. Håkon Jarl wird ein Vierzigsitzer, dem dänischen König Knut dem Großen gar ein Sechzigsitzer zugeschrieben, was aber für eine Legende gehalten wird. Herzog Skúli (1239) hatte einen Sechsunddreißigsitzer und Bischof Håkon Erlingsson einen Fünfundvierzigsitzer. Dagegen hatte die berühmte Ormurin langi des König Olav Tryggvason von Norwegen nur 34 Sitze.

Die Schiffe - besonders die Königsschiffe - wurden zum Teil sehr aufwändig verziert und die Drachenköpfe waren nicht selten aus Gold. So schreibt der Dichter Þorbjörn Hornklofi in seinem Gedicht über die Schlacht am Hafrsfjord:
„Von Ost kamen Kiele / Kampflüstern / mit gähnenden Häuptern / und goldenem Bildwerk“;

und Guþorm Sindri nennt sie in einem Gedicht „Goldschmuck-Gäule“.

Die Handelsschiffe

Handelsschiffe (kaupskip) hatten eine etwas andere Bauweise, da sie auf Tragfähigkeit ausgelegt waren. Sie wurden aber nicht nur für Handelsfahrten eingesetzt, sondern auch im Krieg. Sie waren breiter, hochbordiger und wurden nicht nach Ruderern, sondern nach der Tragfähigkeit eingeteilt. Diese wurde in Læst ausgedrückt, wobei ein Læst etwa 2 to entsprach. Sie waren auch eher Segelschiffe, denn sie hatten nur vorn und achtern Ruderlöcher, im Vergleich zu den Langschiffen eher ein „Hilfsmotor“ bei Flaute. Mittschiffs war freier Raum für die Fracht. Auch stand bei den meisten der Mast fest und war nicht umlegbar. Die Handelsschiffe wurden auch „hohe See Schiffe“ (hafskip) genannt und in zwei Typen, Knorr und Byrdingr, unterteilt. Der Typ „Knorr“ hatte eine Länge von ca. 16m, etwa 4,5m Breite, und nur 3 oder 4 Ruderpaare an Bug und Heck. Es konnten bis zu 15 Tonnen Fracht geladen werden. Ein Byrdingr war etwa 12m lang, 4m breit und konnte ca. 10 Tonnen Fracht aufnehmen. Die Besatzung der Schiffe bestand aus etwa 12 - 20 Mann.

Die Boote und kleinen Schiffe

Neben den beiden beschriebenen Schiffsarten hatten die Wikinger eine Vielzahl von Booten und kleinen Schiffen für den täglichen Gebrauch. Die Klassifizierung erfolgte allgemein nach der Anzahl der Ruderer und nicht der Ruderplätze.
Zwei Typen der kleinen Schiffe soll hier noch näher benannt werden, da sie neben Ruderplätzen (13 - 15plätze pro Seite) auch über Segel verfügten: Léttiskútur und die Hleypiskútur. Sie wurden häufig als Späherschiffe (njósnarskútur) oder als Botenschiffe eingesetzt. Sie waren leicht und schnell. Häufig waren sie auch Transport- und Begleitschiffe von Flotten.

Abschließende Anmerkung:
Das Drachenschiff der Wikinger wird häufig auch als Boot bezeichnet. Hierbei legt man jedoch fälschlicherweise die erst in der Neuzeit festgelegte Klassifizierung zu Grunde. Zur Wikingerzeit gab es diese Einteilung jedoch nicht.
Ebenso verhält es sich mit der Bezeichnung Ruder. Der Begriff „Riemen“ für die zur Fortbewegung eingesetzten Ruder ist noch recht jung und war zur Wikingerzeit völlig unbekannt. Sowohl das Steuerruder als auch das Ruder trugen die gleiche Bezeichnung.


Anmerkungen und Quellen:
Langschiff
Wikingerschiffbau
Wikingerschiff
Ormurin langi
Schiff
Riemen (Schifffahrt)
http://www.seemot...viking.htm
Kommentare
#1 | Ragnar Tanngrisnir am Januar 05 2010 10:12:43
Danke, Manfried. Das ist eine sehr ausführliche Beschreibung der Wikingerschiffe. Gut recherchiert.

Interessant und auch rätselhaft sind die Segeleigenschaften der Drachenschiffe, da sie ja keinen Kiel und nur wenig Tiefgang besassen. So wird bei Schwerwetter bzw. starkem Wind eher wenig gesegelt worden sein, zumal mit Rahsegel auch nur eingeschränkt gesegelt werden kann.

Odin sei mit Euch

Ragnar
#2 | Manfried am Januar 05 2010 16:35:31
Vielen Dank, Ragnar Wink

Die Langschiffe hatten übrigens entgegen früherer Meinungen sehr gute Segeleigenschaften. Bereits 1968 versuchte man ein Langschiff mit 32 Mann Besatzung zum Kentern zu bringen - es gelang nicht. Auch die Hochseetüchtigkeit wure in vielen Versuchen bewiesen.
Nach zeitgenössischen Schilderungen soll der Dänenkönig Harald Hardråde so hart am Wind gesegelt haben, dass Rah und Kiel fast parallel standen...
Aber dazu und zu der sehr feinen und teilweise ausgeklügelten Navigation in einem bald erscheinenden Artikel mehr....Smile
#3 | Ragnar Tanngrisnir am Januar 05 2010 16:48:38
Davon habe ich gehört. Eine in der Tat erstaunliche Technologie, man mag es kaum glauben, besonders, wenn man selbst viel gesegelt ist.

Harald "der Harte" war wohl eher skrupellos bei seiner Segelei, wie sonst auch...
#4 | Bellator am Januar 26 2010 10:48:48
Aifur

www.lkf.lv/vikingi/pic/aifur01.gif

Länge - 9 Meter
Breite - 2,20 Meter
Gewicht - ca. 600kg
Segelfläche - 20m²
Besatzung - 9 Mann

Andere Informationen zu Nordmann Booten:

http://www.viking...zen_nf.htm

Die ORM ....

www.vikingorm.nl/graphics/1995-142-02.jpg
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